Finissage 02.09.2025

der Ausstellung „Zerstörung und Erlösung“ um 17:00 Uhr in die St.-Marien-Kirche

86 Jahre nach dem Überfall des faschistischen Deutschland auf Polen lädt der Verein Puerto Alegre am Dienstag, dem 2. September zur Finissage der Ausstellung „Zerstörung und Erlösung“ um 17:00 Uhr in die St.-Marien-Kirche ein.

Mit Vortrag und Diskussion wird der Journalist und Buchautor Ramon Schack das Thema der Ausstellung auf die heutige Zeit beziehen. Mit Klassik von der Cellistin Sofia Shekalina und Liedern mit dem Chor der Lebensfreude wird die Finissage musikalisch umrahmt.

Die mit großem Interesse aufgenommene Ausstellung der Friedensbibliothek, des Antikriegsmuseums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist noch bis zum 02. September 2025 jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr in der St.-Marien-Kirche zu sehen (außer montags).

Die Finissage beendet zwar die Ausstellung, nicht aber das  Ausstellungsprojekt des Vereins mit weiteren Veranstaltungen und ist ein Teil des Fairen Interkulturellen Sommers.

Weitere Informationen

Ramon Schack, geboren 1971, studierte Politische Wissenschaft und Osteuropastu-dien an der Universität Hamburg. Seit 2003 arbeitet er als freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind der Nahe Osten, Osteuropa und politischer Extremismus. Schack veröffentlichte mehrere Bücher, u.a. 2015 „Begegnungen mit Peter Scholl-Latour. Ein persönliches Portrait“.

Die Konzert-Cellistin Sofia Chekalina begann im Alter von sechs Jahren mit dem Cello- und Klavierstudium, studierte anschließend Cello in Sankt Petersburg bei Sergey Roldugin und ist u.a. bei Konzerten im Celloquartett des BSOF zu erleben.

Der Chor der Lebensfreude trifft sich wöchentlich im „Haus der Begegnung“ zum gemeinsamen Singen und geselligen Beisammensein und bietet u.a.  eine musikali-sche Umrahmung bei verschiedenen Gelegenheiten an, z.B. beim Pogromnacht-Gedenken, Hiroshima- und Weltfriedenstag.

Die Ausstellung „Zerstörung und Erlösung“ beleuchtet drei Biografien: Franz Jägerstätter, Kurt Kretschmann und Heinrich Böll. Ihr Leben und Wirken für eine gottgewollte, humanistische und  friedliche Welt in Zeiten von Faschismus und Krieg geht über das Erschütterliche hinaus und weckt im Blick auf die gegenwärtigen Konflikte und Kriege Mut zum Widerstehen. Der Titel der Ausstellung geht auf den US-amerikanischen Rabbiner und Philosophen Abraham Joshua Heschel zurück: „Der Mensch muss lernen, dass der Sinn des Lebens ist, Beispiel zu sein. Ein Mensch sollte sich selbst immer so sehen, als sei die Welt halb schuldig und halb verdienstvoll. Eine einzige Tat kann die Waage der ganzen Welt zur Seite des Verdienstes oder zur Seite der Schuld neigen. Jeder Mensch hat zu allen Zeiten Teil an der Zerstörung oder an der Erlösung der Welt“.

Zur Ausstellung, gezeigt 80 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges, ist aus Anlass des Hiroshimatages, mit den US-amerikanischen Atombombenabwürfen am 6. und 9. August 1945 auf Hiroshima und Nagasaki, noch ein Teil der Ausstellung „Sehr kleine Atombomben“ angefügt.

Informationen zu den Biografien:

Franz Jägerstätter – Besser die Hände als der Wille gefesselt

Der oberösterreichische Bauer Franz Jägerstätter war einer der ganz wenigen, der aus seinem katholischen Glauben heraus den Eid auf Hitler und die Teilnahme am Zweiten Weltkrieg verweigerte. Diese aufrechte Haltung musste er mit dem Leben bezahlen, er wurde in Brandenburg an der Havel am 9. August 1943 hingerichtet.

Es hat viele Jahre gedauert, bis überhaupt ein Stück öffentliche Erinnerung an diesen Mann, der für das Leben und gegen das Morden eintrat, möglich war. Heute ist er innerhalb der katholischen Kirche Österreichs einer der bekanntesten Verweigerer des Zweiten Weltkrieges, an vielen anderen Stellen jedoch völlig unbekannt.

Die Friedensbibliothek/das Antikriegsmuseum hat zu ihm einen Ausstellungsteil zusammen gestellt mit vielen Fotos aus Privathand und autobiografischen Texten.

Kurt Kretschmann – Vom Kriegsgegner zum aktiven Naturschützer

Nach der Machtergreifung Hitlers weigert er sich trotz fast 6 Millionen Arbeitsloser als Schneider Uniformen herzustellen, da er Kriegsgegner ist. Er wird zur Zwangsarbeit geholt, später wider Willen Sanitäter an der Ostfront und überlebt dort 2 Jahre das Gemetzel in der “Hauptkampflinie” wie durch ein Wunder. Im Februar 1945 desertiert er und gräbt sich für 75 Tage in den bitterkalten Erdboden unter einer Laube ein. Nach dem Krieg wird er “Naturschützer der ersten Stunde”, als sich noch niemand dafür interessiert. Zusammen mit anderen richtet er 1954-60 weltweit die erste Naturschutzlehrstätte an der Müritz ein. Später bewirtschaftet er dann einen wunderschönen Lehr- und Schaugarten in Bad Freienwalde. Das seit dem 1.1.1995 für die ganze Bundesrepublik gültige Naturschutzsymbol mit der Eule geht auf ihn zurück. Er “erfand” es Ende der 1940er Jahre. Rückblickend sagt er: “ Letztlich haben wir bewiesen, wieviel man, allen Widerständen zum Trotz, durchsetzen kann, wenn man ganz engagiert ist.”

Heinrich Böll – Könnten die Gefallenen reden

Heinrich Böll wurde als junger Mann in die Wehrmacht eingezogen und in den Krieg geschickt. Von Anfang an hasste er den dort herrschenden Stumpfsinn und das sinnlose Töten. Ende 1944/Anfang 1945 nutzte er die Gelegenheit und desertierte. Bis Kriegsende verbarg er sich erfolgreich. Nach 1945 war er einer der ganz wenigen deutschsprachigen Autoren, der sich mit diesem Thema auseinandersetzte. Er fragte nach den Deserteuren und Verweigerern, als ein Großteil der deutschen Bevölkerung diese noch für ‘Vaterlandsverräter’ hielt.

“Ich wüsste einen schönen Wandspruch für unsere Schulen, Verse aus einem Gedicht von Ingeborg Bachmann: ‘Die Uniform des Tages ist die Geduld, die Auszeichnung der armselige Stern der Hoffnung über dem Herzen. Er wird verliehen für die Flucht vor den Fahnen, für die Tapferkeit vor dem Freund, für den Verrat unwürdiger Geheimnisse und die Nichtachtung jeglichen Befehls.’ schrieb er lange nach dem Krieg. Auch heute eine bedenkenswerte Wahrheit.